Historie der Feuerwehr Obernhain

Wie in fast allen anderen Gemeinden unseres Kreises bestand auch in Obernhain bis zum Jahre 1934 eine Pflichtfeuerwehr, deren Einsatz sich jedoch auf ihre jährlichen Übungen beschränkte, nachdem sich seit dem letzten Großbrand im Jahr 1903 keine weiteren Feuerkatastrophen in Obernhain ereignet hatten. Die Pflichtfeuerwehr konnte alle ihr damals zufallenden A ufgaben zufriedenstellend lösen. Die zunehmende Technisierung der Vorkriegsjahre ließ jedoch schon bald erkennen, dass eine solche Wehr mit ihrer seither doch recht primitiven Ausrüstung einen ausreichenden Brandschutz nicht mehr gewährleisten konnte.
Hier entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, war Aufgabe der unteren Verwaltungsbehörde, die beginnend mit dem Jahre 1930, sich wiederholt für die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr aussprach. Diese Versuche konnten jedoch erst im Jahr 1934 erfolgreich abgeschlossen werden. Eine zu Jahresbeginn einberufene Gründungsversammlung beschloss die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr, deren Schlagkraft freilich durch den Beitritt von zunächst nur 17 Mitgliedern nicht allzu hoch war. Immerhin hatte die erfolgte Gründung die ständigen Bemühungen von Regierungsamtmann Bechtel und Kreisbrandmeister Becker gerechtfertigt. Schon gegen Ende des Gründungsjahres hatte sich die freiwillige Feuerwehr Obernhain erheblich verstärkt, sie zählte nun bereits 25 aktive Mitglieder. Als erster Ortsbrandmeister war Wilhelm Rühl tätig. Nach dem Besuch der Feuerwehrschule konnte er seinen Kameraden die neuzeitlichen Richtlinien des Feuerschutzes vermitteln.
Über das Schicksal der Wehr sind in den folgenden Jahren keine genauen Angaben vorhanden, da die protokollarischen Aufzeichnungen während der Nachkriegszeit verloren gingen. Indes ist bekannt, dass die vom Wehrdienst zurückgestellten Feuerwehrleute gegen Ende des Krieges oft zu Räumungsarbeiten nach Bombenangriffen in Bad Homburg und Frankfurt eingesetzt waren.
Nach Kriegsende konnten Regierungsamtmann Bechtel und Kreisbrandinspektor Phillipi gemeinsam mit den noch lebenden älteren Kameraden den Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr unter der Führung von Brandmeister W. Rühl in das alte Fahrwasser leiten. Zwar verlor die Wehr eine Reihe älterer Kameraden, die sich nicht mehr entschließen konnten, ihr beizutreten, die Jugend aber drängte nach und verlieh ihr neue Kraft. Die wiedererstandene Wehr zeigte sich im Rahmen mehrerer Einsatzübungen allen Anforderungen gewachsen. Als kurz darauf Brandmeister Wilhelm Rühl aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte, wurde Kamerad Friedrich Knerr mit der Führung der Wehr beauftragt. Aber auch er schied schon kurze Zeit später wegen beruflicher Überlastung aus. In der darauffolgenden Generalversammlung wurde Kamerad Willi Nickel zum neuen Ortsbrandmeister gewählt. Die Wehr konnte sich in den folgenden Jahren dank der Bereitschaft der Jugend zu einer Stärke von 45 aktiven Mitgliedern ergänzen.
Unter der Führung von Willi Nickel konnte die Wehr am 8., 9. und 10. August 1959 ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Über dieses Fest wird heute noch in Obernhain gesprochen, war es doch das erste große Fest nach dem 2. Weltkrieg.
1966 gab Willi Nickel aus beruflichen Gründen sein Amt als Ortsbrandmeister ab, sein Nachfolger wurde Günter Eberling. Er war der Ortsbrandmeister dem es am Herzen lag eine bessere Löschwasserversorgung zu schaffen. Günter Eberling hat mit seinen Wehrmännern freiwillig viele Samstage und Sonntage am Bau eines Löschteiches gearbeitet, und somit viel für eine Löschwasserversorgung in Obernhain getan. Er war es auch, der ein neues Gerätehaus bauen wollte; sein Ausspruch: „und wenn ich es alleine bauen muss“. Aber dazu kam es nicht, denn eine berufliche Veränderung zwang Günter Eberling von Obernhain fortzuziehen.
Er übergab die Leitung der Wehr am 1.7.1968 an seinen Stellvertreter Hans Erdmann, der die Wehr bis zur nächsten Generalversammlung weiterführte. In der nächsten Generalversammlung wurde Hans Erdmann zum Ortsbrandmeister gewählt, sein Stellvertreter wurde Alfons Rodde. Er war derjenige, der junge Feuerwehrkameraden auf die Lehrgänge der Feuerwehrschule schickte. Eine neue Tragkraftspritze wurde gekauft. 1968, ein gutes Jahr später ein Feuerwehrfahrzeug „ TSF“ angeschafft. Hans Erdmann gelang es auch mit seinen Vorstandskameraden A. Rodde, H. Gorke, B. Hocke und E. Wagner die Gemeindevertretung zu überzeugen, dass ein neues Gerätehaus gebaut werden müsse. Eine große Hilfe war bei dieser Sache Bürgermeister E. Diehl.
1969 beschloss die Gemeindevertretung ein neues Gerätehaus zu bauen.
Nach den Planungsarbeiten wurde im Jahr 1970 die Firma Franz Reski, Obernhain, mit dem Bau beauftragt.
Am 17. Juli 1971 konnte Bürgermeister E. Diehl das neue Haus der Feuerwehr übergeben. Diese Leistung ist besonders anerkennenswert, weil Obernhain eine der finanzschwächsten Gemeinden des Landkreises Usingen war.
Am 1.8.1972 wurde die Gemeinde Obernhain aufgelöst und wir wurden Ortsteil Obernhain der Gemeinde Wehrheim. Die Gemeinde Wehrheim hatte nun vier Ortsteilwehren: Wehrheim, Pfaffenwiesbach, Obernhain und Friedrichstahl. Alle aktiven Feuerwehrmänner in der Gemeinde Wehrheim wählten nun einen Ortsbrandmeister für die vier Ortsteilwehren.
In Obernhain wurde Hans Erdmann am 7.1.1973 zum Wehrführer der Ortsteilfeuerwehr Obernhain gewählt.
Im Jahr 1973 verschlechterte sich die Trinkwasserversorgung für den Ortsteil Obernhain immer mehr. Es wurde mit Tankzügen Trinkwasser von Frankfurt Sossenheim zum Hochbehälter in Obernhain gebracht. Da die Tankzüge zum Entleeren tiefer standen als der Hochbehälter musste das ganze Wasser aus den Kammern der Tankzüge mit der Motorspritze in den Hochbehälter gepumpt werden. Bei Eis und Schnee oft eine schwierige Aufgabe.
Im Juni 1973 wurde vom Landrat des Hochtaunuskreises der Trinkwassernotstand im Ortsteil Obernhain ausgerufen. Die Stadt Bad Homburg und die Feuerwehr Bad Homburg wurden beauftragt mit Tankfahrzeugen Wasser in den Hochbehälter Obernhain zu bringen. Nachdem man feststellen musste, dass dieses Verfahren nicht ausreichte, beschloss die Führung der Bad Homburger Feuerwehr und die Führung der Feuerwehr Groß-Wehrheim eine Förderstrecke vom Bad Homburger Braumannstollen über die Saalburg nach Obernhain aufzubauen, wobei nicht nur 5000 m Länge sondern auch 130 m Höhenunterschied zu überwinden waren. In einer Krisensitzung des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung wurde der Vorschlag akzeptiert. Am 3.Juli 1973 bauten in 1,5 Stunden die Feuerwehrkameraden von Bad Homburg, Gonzenheim, Pfaffenwiesbach und Obernhain die Förderstrecke mit 6 Motorspritzen auf. Ab 9. Juli wurden noch zusätzlich die Wehren Friedrichsthal, Anspach und Hausen-Arnsbach eingesetzt. Am 24. Juli 1973 konnte die Förderstrecke wieder abgebaut werden.
1973 wurde eine Jugendfeuerwehr gegründet. Der Jugendwart wurde Egon Wewerka.
Die technischen Hilfeleistungen wurden immer mehr, die Ausrüstung im TSF reichte bei weitem nicht mehr aus. So wurde von der Feuerwehr Bad Homburg ein gebrauchtes Fahrzeug gekauft. Dieses Fahrzeug hat die Wehr als Hilfeleistungs-Löschfahrzeug ausgerüstet. Dank der guten Arbeit des Kameradschaftskassenführers Hubert Gorke konnte die Wehr ein Funksystem im 11 m Bandbereich aufbauen und weitere Ausrüstungsgegenstände z.B. Schlauchanhänger, Motorsäge usw. anschaffen.
Am 7. Januar 1977 wurde Hans Erdmann zum stellv. Ortsbrandmeister der Gemeinde Wehrheim gewählt. Um die Neutralität gegenüber den anderen Ortsteilwehren zu gewährleisten, legte er das Amt des Obernhainer Wehrführers nieder. An seiner Stelle wurde Egon Wewerka zum Wehrführer gewählt. Er hat die Jugend der Wehr hinter sich. Die moderne Zeit verlangt immer mehr modernere Ausbildung und Ausrüstung.
So hat er am 18.05.1978 eine Frauengruppe gegründet, die heute in der Obernhainer Wehr ihren Mann steht. Wehrführer Wewerka brachte es fertig eine Rettungsschere und einen Industriewassersauger anzuschaffen, um den gut ausgebildeten Männern und Frauen das notwendige Rüstzeug zu geben.
Der technische Fortschritt und die zunehmende Wohnbevölkerung in unserem Raum bringen auch immer mehr Einsätze für die Obernhainer Wehr. Ob es 1941 der Turnhallenbrand oder der Autobrand auf der Straße nach Wehrheim 1984, ob der Waldbrand 1947 oder das Hochwasser 1983 war, ob im Wald verirrte Kinder gesucht werden mussten oder die ängstliche Katze aus dem Scheunengebälk geholt wurde. Die Feuerwehr war immer schnell zur Stelle und hat damit verhindert dass größere Schäden entstanden.
Schnelligkeit und Entscheidungswillen zeichnen die Männer und Frauen in dieser Wehr aus. Auch bei den Nachbargemeinden sind sie als Hilfeleistende gern gesehen. Nachdem Egon Wewerka Wehrführer wurde übernahm Peter Siegl die Jugendfeuerwehr, er wird hierbei von Klaus Keller unterstützt.
1984 wurde von unserem Ortsvorsteher Wilhelm Siegl eine Fahne an die Feuerwehr überreicht die durch Spenden aus der Bevölkerung angeschafft wurde.
1985 steht die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeuges LF 8 bevor, hierzu hat man sich bei Fahrzeugvorführungen und auf der IAA sachkundig gemacht. Aus eigenen Mitteln wurde eine Anhängeleiter von der Wehr Bad Homburg gekauft. Auch zwei Unterkunftszelte wurden angeschafft, die sich bei manchen Gelegenheiten bezahlt gemacht haben, unter anderem beim Straßenfest oder dem Tag der offenen Tür.
Auch im Jahre 1985 wurden Maßnahmen zur Erweiterung des Gerätehauses getroffen. Es wurden Zeichnungen angefertigt und bei der Nassauischen Brandschutzversicherungsanstalt wurde der Antrag auf Bezuschussung eingereicht.
Um die Einsatzbereitschaft in Obernhain und der Großgemeinde zu verbessern hat man sich entschieden einen ausgesonderten Wasserwerfer von der Hessischen Polizei zu kaufen und umzubauen. Dieses Fahrzeug mit einem Wassertank von 4000 Litern Fassungsvermögen wurde total zerlegt und von Grund auf renoviert, für den Feuerwehreinsatz umgebaut und rot lackiert.
Nach 1300 Arbeitsstunden war der Fahrzeugumbau abgeschlossen und im Mai 1986 wurde der Wasserwerfer in Dienst gestellt. Im Dezember 1986 wurde das neue Löschgruppenfahrzeug ausgeliefert. Ein Fahrzeug der Firma IVECO. Man dankte besonders den Gemeindegremien an der Spitze Bürgermeister Aribert Oehm, dass man sich für das PS-starke Fahrzeug entschied. Mit der Eröffnung der Umgehungstrasse stiegen auch die Einsätze an. Da hier höhere Geschwindigkeiten gefahren werden, wurde die Wehr öfters zur Absicherung von Unfallstellen bzw. zum Abstreuen von Ölspuren alarmiert.
Das Dach unseres Gerätehauses wurde zunehmend undichter und es regnete in allen Ecken durch, der Aufbau dringend notwendig.
1988 wurden zur Verbesserung der Alarmierung von der Wehr vier Funkmeldeempfänger gekauft. Endlich war es soweit und unser Gerätehaus wurde umgebaut. Im Juni 89 wurde Richtfest gefeiert, danach Stück für Stück die Innenarbeiten zügig durchgeführt. Von den Kameraden wurden Küche und Aufenthaltsraum in Eigenhilfe fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte.
Auch in der Sturmnacht Febr./März 1990 wurde die Feuerwehr Obernhain gefordert; es wurden Dächer abgedeckt, Keller standen unter Wasser, Bäume drohten umzustürzen. Wegen anhaltender Trockenheit in diesem Jahr und dem dadurch entstandenen Wassernotstand wurde der Wassertank des Wasserwerfers gereinigt um im Ernstfall Trinkwasser fahren zu können, aber die Bevölkerung hat viel dazu beigetragen um das Problem in den Griff zu bekommen. Der Wassernotstand zog sich aber dennoch über die nächsten Jahre hin. Um Trinkwasser zu sparen nutzt die Feuerwehr den stillgelegten alten Wasserbehälter für ihre Tankfüllung und Übungen. Um Unfälle zu vermeiden wurden Kameraden mit dem Umgang der Motorsäge ausgebildet. Die veraltete Rettungsschere wurde vom technischen Prüfdienst ausgesondert, konnte somit nicht mehr eingesetzt werden. Daher beschloss man die Anschaffung eines kompletten Rettungssatzes (Spreizer und Schere) wofür das LF 8 vorgerüstet war. Der Rettungssatz hatte sich kurz nach seiner Anschaffung schon bewährt.
Mit diesem modernen Fahrzeug und Geräten ist die Freiwillige Feuerwehr Obernhain für die Zukunft gut gerüstet und wird den Mitbürgern in Not und Gefahr beistehen nach dem Wahlspruch:
Gott zur Ehre dem nächsten zur Wehr
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bwd  Bild 1/53  fwd

Aktualisiert (Sonntag, den 13. Juni 2010 um 16:57 Uhr)